A Matter of Salone - Eine Frage der Salone

Da bin ich also wieder: in Milano im April bei +25°C Außentemperatur und Sonne satt. Zum Glück habe ich an meine Sonnenbrille gedacht! Die Stadt schwirrt und ich bin mittendrin.

Während die Salone del Mobile.Milano https://www.salonemilano.it/en

auf dem Messegelände in Rho Fiera stattfindet, ist in der Stadt die Milano Design Week, verteilt auf acht Stadtgebiete mit zahlreichen Events, Archiven, Showrooms, versteckten Hinterhöfen und Museen. 

Es gibt also viel abzulaufen und zu sehen. 

Dabei ist auch interessant zu sehen, wie die Messe insgesamt angenommen wird. Wir wissen, die Zeiten sind schwierig und Einrichtung und Interior sind gerade keine Umsatzbringer.

Allora, andiamo! 


Nachdem Gepäck und Jacke abgegeben sind, starte ich wie üblich mit dem wohlschmeckenden und preiswerten Cappuccino und einem vegetarisch belegten Croissant, stärke  und orientiere mich.

Was erwartet mich? Wieviele Hallen sind es und was ist wo zu finden?

Außer Möbeln sind hier auch Extrahallen für Küchen, für Bäder und einiges für Working Spaces zu finden. 

Mein erster Eindruck ist: die Messe ist gut besucht. So kenne ich es und so mag ich es auch: es ist ein Trubel und viele Sprachen sind zu hören. In den Hallen ist es am zweiten Tag der Messe (mein erster hier in diesem Jahr) aber nicht so voll. Liegt es daran, dass ich relativ früh am Tag hier bin? Mittags und nachmittags brodelt es dann aber nur so. Die Stimmung gleicht hier immer auch ein bisschen einem Rummelplatz. Und am Abend nach Messeschluss kann man sich das Gedränge an und in der U-Bahn und an den Taxiständen nicht vorstellen. 

Ich starte in den letzten Hallen auf dem Gelände und arbeite mich dann Halle für Halle voran.  

Innendrin ist es meistens abgedunkelt, damit die Beleuchtung und Präsentation der einzelnen Messestände besser wirkt. Es sind teilweise riesengroße Stände mit langen Menschenschlangen davor, die sich registrieren lassen müssen, um auf den jeweiligen Stand zu kommen. Ich habe mit meinem Presse-Ausweis den Vorteil, nicht lange warten zu müssen.

Und dann bin ich dann doch erstaunt: Italien, das Land des Designs .... und sehe auf den ersten Blick überwiegend ruhige Farben, wie Zimt, Sand, Senf, grau und viel weiß.

 

Vielleicht ist dies auch Ausdruck von Zurückhaltung in unruhigen Zeiten?

 

Es gibt aber auch einige, die sich bunt und Buntes trauen, aber es sind nur vereinzelte Aussteller. Ganz rechts auf dem Foto: Karim Rashid, der "Popstar der Designwelt", US-amerikanischer Designer, https://karimrashid.com/, der auch für KARE arbeitet. https://www.kare.de

 

 

Auffallend für mich war, dass es wieder mehr Stein und Marmor zu sehen gab.

Auch, wenn das Material hart und kalt ist, sind die Formen oft organisch gestaltet, was dem Material Kälte und Härte nimmt. 

 

 

Auffallend finde ich auf den obigen Fotos (Nr. 3 und 4) die Stuhl-/Hocker-Bein-Konstruktionen, die sehr filigran sind. Das ist ein guter Kontrast zu dem "schweren" Steintisch und der Stein-"Mauer".

Die Bausteine sind locker übereinander geschichtet und können so beliebige Zonen schaffen. Oben eine Pflanze drauf oder eine Leuchte - fertig!

 

Außer Marmor und Stein sind schön bearbeitete Hölzer und auch wieder mehr Leder zu finden. Interessant hier: schlichte Tisch- und Hockerbeine werden mit Leder ummantelt und entweder geflochten oder mit einer sichtbaren Naht vernäht. 

 

Wie gesagt, ich beobachte, dass es wieder weniger Muster und ruhigere Farben gibt. Wenn es aber doch etwas mit Mustern gibt, dann sind sie grafisch.

Ach ja, fast hätte ich es vergessen: Konturen und Kanten werden betont. Ein bisschen so wie "klare Kante" zeigen .... Hier ein paar Eindrücke:

 

 

An Lampen habe ich diese ungewöhnlichen entdeckt. Erstaunlich - und auch gut, dass es immer noch wieder neue Ideen gibt:

 

 

Und hier noch ein paar andere frische Ideen:

 

 

 

< Links:

ein Boxring

als Bett bzw. Fläche

zum Chillen ..

 

 

                      Rechts >

                      Die Bergwelt

                      zum Ent-  

                      spannen                     


Schale auf geklecksten Füßen

Sitz aus geschichtetem Stein

Plüschstuhl mit Plüschvögeln

Sitz mit Netz

Vase im Bilderrahmen


 

Badezimmer-Ausstattungen haben, wie berichtet, eigene Ausstellungshallen. Bäder haben in den letzten Jahren eine unglaubliche Wendung hinzu "Wohlfühlen"-Räumen, den "Wellness-Spaces", gemacht und das sieht man hier. Im Unterschied zu den Wohnraum-Ausstattungen ist hier Farbe eingezogen: Keramiken sind in allen Farben, aber auch in reduzierten Formen zu finden. Und - das hat mich erstaunt - sind Badewannen aus Holz

Das alles bietet ganz neue Gestaltungsmöglichkeiten.

Hier ein paar Eindrücke:

 

 

Durch die Küchenhallen habe ich mich schnell durchgearbeitet. Die großen und weltbekannten Küchenanbieter warten mit riesigen Erlebnis-Ständen auf, wobei ich meine, dass Küchen kaum noch als Küchen wahrzunehmen sind. Alles ist in Schrankwänden versteckt oder in einzelnen Küchenblöcken. Das ist sicher angesagt und total chic, aber wohnpsychologisch betrachtet sind Küchen Orte, an denen gearbeitet, sich getroffen, kommuniziert und auch gegessen wird. Deshalb halte ich diese Räume eher für geeignet, Platz für Begegnung und einer guten Aufenthaltsqualität zu schaffen. Der gezeigte Minimalismus löst womöglich Stress durch fehlende Stimuli aus. 

 

Nachhaltigkeit scheint inzwischen eine Selbstverständlichkeit zu sein, oder es ist wegen anderer vordergründigerer Themen in den Hintergrund gerutscht, das könnte auch sein.

Inzwischen werben einige Aussteller mit dem Versprechen des Wohlgefühls und mit guter Sinneswahrnehmung. Das "Gefühl" ist also bei aller Funktionalität und jedwedem Design bei den Produzenten und ausstellenden Firmen angekommen!!

 

 

Der türkische Hersteller Förni (https://forni.com.tr/) schreibt dazu im Vorwort zu seinem Katalog folgendes: 

... "We believe that furniture is more than an object. It is part of the atmosphere we live in, the rhythm of our daily lives and the silent witness to the stories unfolding around us. We like to transform every day spaces into places of warmth and meaning: good moments at home" ....

 

Das war's wieder von mir. Ich habe wieder viel gesehen und konnte nicht alles beschreiben. Wer mehr Infos haben möchte, melde sich bitte.

Ich freue mich, dass ich wieder mal in Mailand zur Salone del Mobile.Milano 2026 war und schaue nun nach Kopenhagen, wohin ich im Juni 2026 zu den '3 Days of Design' https://www.3daysofdesign.dk/ reisen werde. Auch das ist eine tolle Stadt! Und wie immer bin ich gespannt, ob und was für Neuigkeiten es gibt.

Einen schönen Frühling! Ciao, Milano!

 

Hamburg, im April 2026

Fotos: Erika Mierow