Interview mit Antje Flade

Seit ich die Ausbildung zur wohn- und architekturpsychologischen Expertin absolviert habe - das war 2017 -, habe ich viel Literatur verschlungen, die mit der psychologischen Wirkung von Mensch und Raum zu tun hat.

Während der Ausbildung, und auch später immer wieder, ist mir der Name der Wahrnehmungspsychologin Antje Flade untergekommen. 

Sie lebt in Hamburg, genau wie ich, und ich hatte schon vor der Pandemie den Versuch gestartet, mich mir ihr zu treffen. Nur deshalb, weil wir beide mit diesem Thema vertraut waren und beide in Hamburg leben. Nach Corona war es dann still geworden und ich hatte noch hier und da mal den Versuch gestartet, aber immer ohne Erfolg.

 

Mit meiner Kollegin Martina Püringer in Wien unterhalte ich bereits seit fast fünf Jahren den Podcast

 

"Wohnsinn & Raumglück"

https://xn--wohnsinnundraumglck-mbc.com/

 

in dem wir alle 14 Tage über alle Belange aus dem Bereich der Wohn- und Architekturpsychologie berichten, meist sogar mit weiteren Gästen. 

Mittlerweile haben wir mehr als 100 Folgen und mehr als 11.000 Follower, und das in der ganzen Welt. Erstaunlich, wo man uns überall hört. 

 

Und nun hatte ich wieder mal die Eingebung, noch einmal Frau Flade zu kontaktieren. Und siehe da: sie meldete sich und war interessiert. 

In einer längeren mail beschrieb ich ihr, was wir machen, welche unsere letzten Themen waren, wie wir so ein Gespräch aufnehmen und so weiter.

Dann verabredeten wir einen Zoom-Aufzeichnungs-Termin Anfang Dezember 2025. 

 

Martina und ich begannen zu recherchieren, welche weiteren Bücher, die wir noch nicht kannten, sie verfasst hatte, welche Vita, wo sie ihr Wissen erforscht und vermittelt hatte, und Martina und ich erarbeiteten, wie üblich, einen Fragenkatalog für Frau Flade zur Vorbereitung.

Den schickte ich ihr zu und war sehr überrascht, als sie antwortete, sie würde doch lieber nur ein Zweiergespräch und das face-to-face bevorzugen und eher ein freies Gespräch führen wollen.

Wie sollten wir das anstellen? In unserem Podcast-Format sind Martina und ich immer zusammen im Gespräch - und nun das? 

Wir berieten uns und beschlossen, dass ich das Gespräch mit Antje Flade persönlich führen sollte und wir es dann anschließend in ein gemeinsames Gespräch einbetten wollten. 

 

So fuhr ich am 4. Dezember 2025 vormittags zum Museum für Kunst und Gewerbe in der Hamburger Innenstadt, wo Frau Flade und ich im "Freiraum"

https://www.mkg-hamburg.de/freiraum

verabredet waren. 

"Der Freiraum ist ein soziokultureller Treff- und Projekttraum für alle und liegt im Zentrum, nahe des Hauptbahnhofs. Der Freiraum ist kostenfrei während der Öffnungszeiten des Museums zugänglich und lädt herzlich zum Verweilen, Lesen und Diskutieren ein. Das kuratorische Team des Freiraums entwickelt zu den Ausstellungen des Hauses eigene Veranstaltungen, zudem Zusammenkünfte und Anlässe, die den Raum temporär aktivieren und zur gegenseitigen Vermittlung einladen. Gestaltungsfragen sind für den Freiraum auch immer soziale Fragen: wie gestaltet man eigentlich ein Miteinander, wer entscheidet das und wem gehört die Stadt?" - Zitat: MKG Hamburg

 

Insofern ist der Ort gut gewählt, denn Frau Flade und ich kommen aus unterschiedlichen Richtungen und trafen uns in der Mitte Hamburgs. Und der Freiraum ist eben auch ein typischer "Dritter Ort", wie wir in dem anschließenden Interview feststellen werden, und auch Thema einer unserer früheren Episoden im Podcast ist. 

 

Wir begrüßten uns, nachdem wir uns erkannt hatten. Sie ist längst nicht mehr beruflich tätig, aber immer noch sehr dem Thema verbunden. 

Dann baute ich mein Laptop auf und startete recht bald die Aufzeichnung. Ich hatte ihr "altes" Buch "Wohnen, psychologisch betrachtet" mitgebracht, um ihr zu zeigen, wie viel ich schon darin nachgelesen, was ich markiert hatte und Eselsohren und andere Lesezeichen hinterlassen hatte. Sie war ganz erschrocken, weil das Buch schon längst nicht mehr bei dem damaligen Verlag unter Vertrag ist und längst woanders editiert wird.

Sie ihrerseits hatte das Buch "Kompendium der Architekturpsychologie" dabei und wollte dies vorstellen. 

Wir sind dann in dem Interview auch darauf eingegangen und sie hat die wesentlichen Aspekte bzw. Kapitel daraus vorgestellt. 

https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-658-31338-8

 

Wenn auch der Freiraum für ein solches Treffen optimal war, ist doch die Akustik dort nicht so doll. Der ganze Raum ist offen, die Decken sind sehr hoch und hat einen Holzfußboden. Und natürlich treffen sich auch andere Menschen dort und arbeiteten miteinander. Zudem sprach Frau Flade sehr leise und hatte viel zu sagen. Ich war beunruhigt, ob man uns in der Aufzeichnung vernehmen würde. 

Aber alles hat gut geklappt und Martina in Wien hat im Anschluss die Aufnahme noch bearbeitet und herausgeholt, was herauszuholen war. 

 

Die angepeilten 30 Minuten für das Interview waren ruckzuck herum und ich freute mich, dass es so gut gelungen ist, denn einen Leitfaden gab es ja nicht.

Man merkt einfach, wie tief Frau Flade in der Thematik steckt und wie groß ihr Wissen ist und dass sie so viel zu den komplexen Themen zu sagen hat.

Es hat mir große Freude gemacht!

 

                                                    Foto: Erika Mierow

 

Das Gespräch war nun im Kasten, hurra!

Nachdem wir das Offizielle beendet hatten und noch so im Gespräch waren, ging die Tür des Freiraums auf und der Hamburger Kultursenator, Carsten Brosda, kam herein. Als ich ihn sah, sagte ich halblaut zu Frau Flade: "da kommt unser Kultursenator".

Herr Brosda fühlte sich angesprochen und blieb stehen.

Wir begrüßten ihn, und Frau Flade fragte ihn sofort, was er zum geplanten neuen Hamburger Opernhaus sage.

Er antwortete "finde ich gut!"

Muss er ja auch, als Kultursenator und schon deshalb, weil ein privater Mäzen einen großen Teil investieren wird. Ich erklärte ihm dann, wer wir sind und dass wir soeben eine Podcast-Episode eingesprochen hatten.

Frau Flade hätte wohl gern eine Diskussion über das Gebäude und den Standort in der Hamburger Hafencity eröffnet, aber soviel Zeit hatte Herr Brosda nicht. Ich bat ihn um ein Selfie von uns dreien, was er freundlicherweise mit meinem Smartphone machte. Es war insgesamt sehr nett, dass er überhaupt stehen geblieben war.

Ein bisschen schade ist, dass wir schon fertig mit dem Interview waren. 

Foto: Stadt Hamburg - Hamburg.de

   

Die Episode Nr. 112 mit Frau Flade ist seit heute hier zu hören:

https://xn--wohnsinnundraumglck-mbc.com/episode/112-interview-mit-antje-flade-pionierin-der-architekturpsychologie

 

Hamburg, 06. Januar 2026